xeniawenzel

A fine WordPress.com site

Die Unmöglichkeit der Liebe

Sehnsucht nach: dem Unvollständigen, dem Mangel, der Leere. Haben wollen, etwas nicht haben zu können. Streben nach dem Zustand des Nichthabens, des Zweifelns, der Sehnsucht.

Die Suche nach dem Unvollendeten scheint als Widerspruch daherzukommen, gilt die Sehnsucht normalerweise dem, was einen komplettiert. Suche nach der Liebe bezeichnet die Suche nach diesem einen Ding, das fehlt. Das Finden der Liebe hebt den Zustand der Sehnsucht auf, doch ist es gerade die Sehnsucht nach der Sehnsucht, die viel erfüllender als das Stillen dieser selbst ist, weil sie als unerschöpflicher Prozess per definitionem nie an ein Ende kommt.

Sehnsucht nach: dem Nicht-Ding, der Nicht-Liebe, dem Zustand des Nichthabenkönnens ist Sehnsucht nach unerfüllter Liebe.

Unerfüllte Liebe ist Liebe in Gedanken. Die Liebe in Gedanken ist schöner, tiefer und unerschöpflicher als die vollendete Liebe.
Unerfüllte Liebe ist der Motor meines Lebens, meines Glücks. Sie treibt mich immer wieder an, sie lässt mich mich spüren. Durch den Mangel, den ich durch sie erleide, spüre ich die Lebendigkeit des Lebens.

Dagegen scheint die vollendete Liebe ein Verrat zu sein, ein Verrat an der Liebe selbst.
Das Ausleben der Liebe lässt diese sich an sich selbst ableben. Durch das stete Konsumieren dieser verschwindet von ihrem Zauber immer ein Stückchen mehr, bis schließlich nichts mehr von ihr übrig ist.

Doch auch das bedächtige Konsumieren der Liebe scheint diesen Prozess nicht aufhalten zu können, sondern ihn nur langsamer vonstattengehen zu lassen. Die Liebe in kleinen Happen ist auf Dauer unbefriedigend, sie treibt einen zur Verzweiflung. Denn der Gedanke bleibt: dass das alles noch nicht alles war.

Liebe muss immer 100% sein, darunter geht es nicht, darunter fühlt es sich nicht echt an. Darunter spürt man, dass man die Fast-Unerschöpflichkeit der Liebe noch nicht ausgeschöpft hat. Doch je mehr ich von der Liebe will, je mehr ich von ihr nehme, umso schneller verpufft sie. Sobald ich sie habe, sie gierig verschlungen, hört sie auf zu sein.

Aber was ist die Liebe für ein Ding, wenn ich sie verrate, weil ich sie lebe? Wenn sie durch ihr eigenes Existieren verschwindet? Wenn sie nur ist, weil sie gerade nicht ist, aber genau dann nicht ist, wenn sie ist?

Dann ist sie ein Widerspruch in sich, der nur in der Vorstellung existieren kann.
Sie ist sogar zweierlei widersprüchlich: Entweder als Suche nach dem Unvollständigen oder in ihrem sich an sich selbst ablebenden Ausleben.

Und so werde ich nur so lange verliebt sein, wie ich nicht verliebt bin, nur so lange glücklich sein, wie ich traurig bin, nur so lange bei dir sein, wie ich nicht bei dir bin.

Werbeanzeigen

Der Durst des Lebens

Wenn alle Taten
schon getan
Alle Worte
schon gesagt
Alle Gedanken
schon gedacht

Wie kann dieses Leben dann weitergehen?
Wenn es so beschränkt ist
Wenn ich

Nichts Neues denken kann
Nichts Neues sagen kann
Nichts Neues tun kann

Dann bin ich zum Stillstand verdammt.

Der Durst des Lebens
trotz alledem
unstillbar
unvergehbar

Ihr schreibt meine Geschichte

Ihr schreibt meine Geschichte

Ihr seid
meine Kriege
auf den Frieden warte ich vergeblich

Ihr seid
meine Angst
wenn ich auf unbekanntes Terrain schreite

Ihr seid
mein schlechtes Gewissen
wenn andere meinetwegen leiden

Ihr seid
meine Verzweiflung
der Schmerz, wenn die Welt untergeht

Ihr seid alles
und verschwindet doch in eurer Vereinzelung zu einer grauen Masse

Ich habe eine Wahl
Ich muss euch vergessen

Lyon

Ein Tisch, zwei kleine Hocker.
Ein Sofa, ein Bett, zwei Menschen, nur eine Decke.
Ein großes, schönes, französisches Zimmer, muffig.
Die Fenster mit dem Blick auf die Rue Paul Bert.

Die Stadt. Wir.
Wir sind verloren in dieser wunderschönen Stadt, zwischen all den Straßen,
Gassen, Plätzen und Menschen. Und doch, dazwischen, da sind wir.
So klein, und so bedeutend.

Ich muss nur die sieben Tage aufzählen, dann bin ich weg.
Was wird dann mit uns sein?
Dann wird diese Woche für immer konserviert in unserer Erinnerung.
Du, ich, die Stadt, keine Zeit, die zählt.

Eins.
Ein Blick, eine Umarmung, der Spaziergang im Dunkeln zu dir, nicht an die Saône.
Eine Flasche Wein, zwei zerbrochene Gläser.
Dunkelheit. Die stille Stadt.
Dein Körper neben meinem im Bett. So vertraut.

Zwei.
Französisches Baguette. Die kleinen Hocker.
Es ist Mittag, und wir erobern die Stadt.
So erschöpft.
Deine Hand berührt meine Hand.

Drei.
Auf dem Fahrrad, der frische Wind.
Im Park. Deine Hand.
Ich versinke in deinen Blicken und Berührungen.

Vier.
Dein Blick Er trifft mich ganz tief.
Dein Pullover. Er wärmt mich auf dem Weg nach draußen.
Dein Lächeln. Unsere Freude.

Fünf.
Das Eis, aber ohne Cupcake.
Die Rhône, ich weiß nicht, wohin.
Der Film, der Weg zurück auf dem Rad.

Sechs.
Viel zu viel schlechter Vodka.
Wir brauchen keine Party, wir haben uns.
Der Spaziergang durch das nächtliche Lyon, entlang der Saône.
Morgen schon.

Sieben.
Die Stadt. Ein letztes Mal.
Ich kann nicht.
Es ist so schwül, ich schwitze.
Ein letztes Mal liegen wir in deinem Bett.

weg.

Der Gedanke an den Tod

Der Gedanke an Tod
macht mich so traurig,
weil ich dann nicht mehr
bei dir sein kann.

Der Gedanke an den Tod
wäre erträglich,
wenn da nicht du wärst.
Er wäre mir sonst egal.

Er wäre mir egal,
weil man dann nichts spürt
und alles vorher Dagewesene
aufgehoben ist.

Aber die Gleichgültigkeit des Todes
ist nur hinnehmbar,
wenn man nicht weiß,
wie sich echtes Glück anfühlt.

Sie ist nicht hinnehmbar
im Bewusstsein dessen,
was wir hatten.

Die Nacht, der Morgen

In der Nacht spielt sich das Leben ab, hast du gesagt.
Die Nacht ist unser, und doch entgleitet sie uns ohne Warnung.
Ich will nie schlafen, aus Angst, es könne Morgen werden. Die Nacht gehen, und mit ihr, wir.
Wenn wir nur diese eine Nacht haben, soll sie ewig andauern. Dann will ich nie deine Hand loslassen, deinen blauen Blick verlieren, deinen Geruch vergessen.

Wenn die Nacht das Leben ist, so ist der Morgen der Tod. Im Lichte des Tages bietet sich alles so anders dar, das Mysterium der Dunkelheit ist vergangen.
Auch ohne Schlaf ist der Morgen da, einfach so, brutal.

Und auch, wenn ich die Nacht endlos in die Länge ziehen will, so weiß ich, entbehrt dieses Gedankens jedweder Sinn. Die Momente werden nicht schöner, weil sie länger und öfter sind. Jeder Moment ist nur so schön, wie er ist, egal wie lang, egal wie oft.
Die Einzigartigkeit eines Momentes anzuerkennen, bedeutet, seine Vergänglichkeit hinnehmen zu müssen.

#1

Du quälst mich mit deiner Abstinenz. Doch noch viel mehr quälst du mich mit deiner bloßen, wunderbaren Existenz.

Ein einziger Sommer

Wann immer ich mit meinem Fahrrad durch den Gleimkiez Richtung Mauerpark fuhr, musste ich an dich denken. An unsere Zeit, als wir noch Nachbarn waren. Ich wohnte in der Kopenhagener, du in der Gleimstraße. Du klingeltest oft an meiner Tür, aufgeregt rannte ich ihr entgegen um dir freudestrahlend zu öffnen. Wir saßen in der Küche, um drei Uhr morgens, egal, zu welcher Uhrzeit, du machtest Tee, wir redeten eine Ewigkeit. Irgendwann begannen die Vögel zu zwitschern. Wir saßen an deinem Laptop und hörten Musik, du drehtest ein paar Zigaretten, die du nie rauchen würdest, nur, wenn du betrunken warst, aber dann wüsstest du, dass ich sauer auf dich wäre. Wenn es hell wurde, legten wir uns in dein Bett und schliefen nebeneinander ein.
Wir gingen aus, wir kauften Bier, wir liefen durch die Straßen von Berlin-Mitte und tranken es, wir gingen zu McDonalds und du kauftest dir einen Burger, wir saßen an irgendwelchen skurrilen Plätzen dieser Stadt, starrten auf den Verkehr, die Lichter zogen vorbei, im Regen, wir geschützt unter einem Dach.
Das Bier war leer, wir betraten einen Club, in Mitte, in Prenzlauer Berg, in Kreuzberg, es war laut, es war voll, es war dunkel, deine Augen weiteten sich immer mehr, schauten mich an, im Flackern des bunten Lichtes tanzte ich, wir beide in einem Strudel, einem Sog, durch den Alkohol verstärkt. Bald vermischten sich die Menschen mit der Musik mit der Dunkelheit der Räume. Dann sah ich nur noch dich. Und wartete darauf, dass du mich küsstest. Was du manchmal tatest, manchmal nicht. Denn wenn du mich küsstest, bekamen wir nicht genug davon und der Abend endete unweigerlich im Bett. Wovor du dich fürchtetest, aber manchmal auch nicht.
Wenn es jetzt dunkel ist und ich in der Gegend bin, wünsche ich mir so oft, du würdest wieder vor meiner Tür stehen und wir würden uns freudig anblicken.
Ich sei der unsicherste Mensch, den du kanntest, das hast du des Öfteren betont, und doch warst du nicht gern ohne mich.
Wir sprachen von Glück, auch, wenn wir es fast nie spürten. Wir waren Jäger, Jäger des Glücks. Das war unser Lebenssinn – der Versuch, ein unstetes Gefühl zu erhaschen. Unser einzig wahrer Kick. Wir hangelten uns von Glücksmoment zu Glücksmoment, immer mit so viel Energie ausgestattet, dass es gerade so zum nächsten Mal reichen würde.
Ich will, dass du vor meiner Tür stehst, ich will, dass du mich anstrahlst! Ich will mit dir all die schönen Dinge erleben, die wir taten, als das Leben noch jung und unbeschwert war. Warum muss Zeit einfach so unaufhörlich und rücksichtslos verstreichen? Wieso kann ich den Moment nicht anhalten, nur einen Moment? Bald werden wir nur noch Staub sein und es wird egal sein, wer wir waren, was wir taten.
Nur einen Moment für uns, denn wir sind nicht egal.

Das Zimmer

Dein Zimmer, ich erinnere mich noch ganz genau. Das Klavier, die blaue Couch, der riesige Kleiderschrank, die Matratze auf dem Boden, die Schwarz-Weiß-Bilder an der Wand, alles habe ich noch genau vor Augen.

Wenn du dich nur in Luft auflösen könntest, wenn du es nur schafftest, die Illusion von dir zu zerstören. Ein Treffen mit dir würde genügen, um dich zu entzaubern, ich bin mir sicher. Einst war ich in Paris, nun weilst du dort. Du wirst dich in andere Mädchen verlieben, ich werde aus deinem Bewusstsein entschwinden. Ich hier, du da, ich kann nichts tun, außer dich zu vermissen. Die Besonderheit unserer Geschichte liegt in der Einmaligkeit unserer Begegnung begründet. Einmal, und nie wieder, und trotzdem werde ich an Erinnerungen daran nicht satt. Die Gedanken an dich sind so präsent wie an jenem Tag, der auf unser Treffen folgte, vielleicht sogar noch deutlicher und klarer. Dass ich nichts über dich und dein Leben weiß, macht den Schmerz erträglich. So bleibst du immer gutmütig, einseitig und schön. Je mehr ich von dir und deinem Leben wüsste, umso mehr würde es mich zerstören, umso größer meine Sorgen.So ist die unerfüllte Liebe eine nicht endende, sie bezieht ihr Material aus immer den selben, traumhaften Geschehnissen und will dennoch nicht verblassen. Eine Konfrontation mit der Realität ließe sie verkommen, doch das will sie nicht, hätte sie sich sonst absentiert.  

Two hearts

Two subjects
Being aware
Of the impossibility of love
And yet they love

Two hearts
Having been
Damaged and ripped out before
And yet they beat

But I don’t know where my heart lies tonight
And I don’t know where you’re sleeping tonight
And the fear is pulling me closer to you
Guess I never had the chance to tell you