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Das Herz, ein Friedhof

Das Herz ist ein Friedhof
wie Heiner Müller sagt
So viele der toten Lieben
liegen dort begraben
Und auch, wenn ihr schweigt
Ihr seid stets präsent
Denn ihr Toten werdet nie Ruhe geben
Zwar ruhet ihr in Frieden
doch lasst mich nie in Frieden
In meinem Herzen trage ich euch überall hin
Überall dort, wohin ich geh‘
Dabei tut es so weh
Diese kleinen Risse und Narben
Bei jedem Schlag zu gewahren
Ich weiß nicht wie viel Platz
Mein Friedhof noch fasst
So viele der kleinen und großen Gräber
Liegen auf ihm verteilt
Sodass mich fast der Wunsch ereilt
Eine Mauer zu bauen
um ihn herum
Die es beschützt, mein Herz
Vor weiteren Löchern und Rissen
Auf die wir unsere Fahnen hissen
Doch wie soll mein Herz noch schlagen
Wenn es ganz fest und eng umspannt
Ja, eingesperrt ist
Wie mich am Leben halten
Ohne sich zu bewegen
Ohne sich einen Funken zu regen
Indes, mein Herz, es will weiter wachsen
Immer mehr streben
sich nie einschränken lassen
Gedeihen
und sich befreien
Von den Mauern, die es umgeben
Mein Herz
kann so frei und leicht sein
wie ich nur will

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Bericht von den letzten Tagen der Menschheit

Es ist heiß. Ich mag nicht rausgehen, die Sonne meine Haut verbrennen lassen. Und sie tut es, unaufhörlich. Die Gardinen fest zugezogen, dass kein Sonnenstrahl ins Drinnen dringe, sitze ich in meinem dunklen Zimmer, gleichwohl glühe ich innerlich.
Die Hitze erregt Schwindel in mir, sie fesselt mich ans Heim. Wir alle verdursten. Die Pflanzen, die Tiere, wir. Draußen sehe ich die Welt vor mir sterben, drinnen sterbe ich.
Ich lese Dystopien vom Weltuntergang, die längst keine mehr sind. Starre wie angekettet auf mein iPhone, konsumiere immer mehr: Nachrichten, Bilder, Menschen. Und fühle mich immer leerer, immer hohler. Was habe ich mit dieser Welt da draußen noch zu tun?

Die meisten machen weiter wie bisher als sei nichts, haben sich dem Konsum, der Ignoranz, der Resignation verschrieben. Verschließen ihre Augen, ignorieren die Hitze, die Dürren, die Fluten, die Wirbelstürme und hoffen, dass es besser wird, dass all das nicht wahr ist, doch es ist zu spät. Ziehen sich immer mehr zurück ins Private, kreisen um ihre eigenen Probleme, doch keine Sorge, die lösen sich bald ganz von selbst.
Die meisten Menschen ahnen, doch wissen noch nichts vom Untergang, weil es ihnen entweder noch zu gut, oder schon zu schlecht geht, weil sie sich ob ihres Luxus‘ in Sicherheit wähnen, oder der Kampf ums Überleben ihre letzten Ressourcen verbraucht. Alle dazwischen versinken im Strudel der Hilflosigkeit.

Je näher das Ende rückt, umso machtloser, umso nutzloser fühle ich mich. Es ergibt keinen Sinn, eine untergehende Welt umzugestalten, wenn es sich schon falsch anfühlt, sie mit der eigenen Existenz, dem eigenen Ressourcenverbrauch zu belasten. Verwundert betrachte ich die Menschen, die noch Kinder in diese flammende Welt setzen.
Was die Werdung dieser Welt angeht, so habe ich mich in meiner Depressivität eingerichtet, sie gehört wie selbstverständlich zu meinem, zu dem Dasein in dieser Welt dazu. Mein letzter Aufschrei nach Hoffnung ist der Ruf nach meiner Mutter, meine Verbindung zur Natur und zur Erde, von der ich stamme, doch Mutter Erde ist nicht mehr.

Zum Vollmond

Es gibt nichts Schöneres
als den Mond
Den vollen, satten, leuchtenden
Mond
Wie er voller Weisheit auf uns scheint
Uns Klarheit und Gewißheit gibt
Gleichwohl so geheimnisvoll fern
am Himmel klebt

Weigerung

Ich weigere mich zu glauben,
dass ich nichts sein soll
in dieser Welt
in der alles untergeht
in der die Flut sich überschlägt
Wässer und Wüsten dörren
und der nächste Wirbelsturm
uns in höchste Höhen trägt

Ich weigere mich zu glauben,
dass wir nichts sein sollen
in dieser Welt
nicht mehr als zwei Seelen
die sich mit all ihrer Kraft und all ihrem Schmerz
begegnen
nicht mehr als zwei Körper
die gelernt haben
sich zu bewegen
deren Hände, Blicke, Lippen
sich begegnen
und trotzdem nichts
im anderen bewegen

Ich weigere mich zu glauben,
dass wir nicht eins sind
in dieser Welt
in der alles
auseinanderfällt
die Natur uns entgleitet
Hass voranschreitet
und uns nichts mehr aneinanderhält

Woran soll ich glauben
in dieser Welt
wenn nicht die Weise
mit der unsere sehnsüchtigen Blicke
sich spüren und berühren
obschon sie wissen
dass sie einander nicht werden retten können
in einer Welt
die nichts mehr bereit für uns hält

Ohne Titel

Die Liebe
Ist mir verloren gegangen
Sie gehört mir nicht mehr

Einst habe ich sie gut gekannt
Kann mich ihrer noch entsinnen
Weiß, wie sie sich anfühlt
Doch fühle ich sie nicht mehr

Jeden Tag mache ich mir Gedanken um die Liebe

Wenn ich die Liebe nicht habe,
bin ich voller Sehnsucht nach ihr
Wenn ich die Liebe habe,
zerfrisst die Angst alles in mir
Wenn sich die Liebe mir aufzwängt,
flüchte ich vor ihr

Nie scheint sie richtig
Nie sind wir eins

Vielleicht war sie nie mein
Nur unser
Und mit dir geht
Ein Stück Liebe in mir

Die traurige Gewissheit,
dass ich dich nie wieder so lieben,
dass ich dich überhaupt nie mehr
lieben werde

Das Gefühl der Jugend

Das Gefühl der Jugend
Sehnsucht nach Unendlichkeit
Gewissheit
Einer immer verfügbaren
Immer wiederholbaren Unendlichkeit
Ungewissheit
Vor jeder einzelnen Erstmaligkeit
Keine Angst
Vor Ergriffenheit
Wegen der Gewissheit
Ihrer ständigen Wiederholbarkeit
Betäubung
Im Rausch der Unendlichkeit
Unbedachtheit
Als Voraussetzung von Erfahrbarkeit
Im Unterbewusstsein
Trauer über
Die immer näherrückende Endlichkeit

Räuber

Ihr nahmt mir meine Seele
Doch zuerst mein Fleisch
Ihr fletschtet euch die Zähne
Ich ließ euch in mein Reich

Wir haben uns geliebt
Für diese eine Nacht
Uns alles voneinander gegeben
Es hat uns auseinandergebracht

Am Ende bleibe ich zurück
Mit dieser trügerischen Version vom Glück
Gehüllt in einen Kokon aus Liebe
Darunter, doch, schwelen meine Kriege

Hier liegt er, mein Kadaver
Zerfleischt, zernagt, zerbissen
Keine Regung, kein Gewissen
Habt ihr euch satt gefressen?

Tristezza italiana

Italien, warum machst du mich so traurig?
Deine Schönheit zerdrückt mich,
ich spüre keine Sehnsucht
in deiner Perfektion.

Warum gibst du mir keine Liebe, wenn du doch danach aussiehst,
wenn die Liebenden auf all deinen Plätzen, in all deinen Ecken sind?
Hier bin ich, allein,
so liebeslos, wie ich nur sein kann.

Wohin soll die Liebe auch wachsen, in solch beklemmender Hitze?
Ich kann mich kaum regen
in deiner Glut.
Sonnenmilch, Parfüm, Schweiß, Insektenspray, Deodorant verkleben meine Haut.
Mückenstiche, Schrammen, Kratzer, Wunden zieren meine Haut.

Ich spüre den Hunger, doch bleibe ohne Appetit,
in deiner Hitze, mit meinem Liebeskummer.

In deiner Kulisse kann ich nichts spüren,
wandle allein durch deine Gassen.
Ich höre deine Stille, wie sie in der Hitze steht,
Grillen zirpen,
Brunnen sprudeln,
Motorräder rollen,
die Leichtigkeit der Liebenden.

Deine Figuren werden nie zu tanzen beginnen,
sie sind so starr
wie deine Hitze
und deine Schönheit.

Bitte lass mich dich lieben

Bitte lass mich dich lieben

Lass mich dich anschauen
Dein reines, zartes Gesicht
Deine kindlichen Augen
Wie sie sehnsüchtig in meine blicken

Bitte lass mich dich sehen, wie du weinst
Kein schön‘res Gesicht könnt‘ es geben
Auf dem Tränen sich ergießen
Aus Liebe
Aus Angst
Aus Schmerz

Bitte lass mich dich sehen, wie du lachst
Wie du aus dir gehst
Dabei
Das Flirren deiner Augen uns verbindet

Wie schön muss dein Lachen sein
Wenn schon dein Lächeln so tief ist

Lass mich dich spüren
Deine Güte und Wärme
Wenn du mich zu dir lässt
Schutzlos und rein

In jeder Hinsicht
Will ich dich lieben

Wozu all dieser Schmerz?
Warum schon jetzt
Warum schon wieder?

Bitte
Lass mich dich riechen
Lass mich dich schmecken
Lass mich dich hören, fühlen, küssen
Vergessen

Doch du lässt nicht

Der Weg der Einsamkeit

Danke, dass du mir zeigst, dass ich nicht allein sein muss, auch wenn ich es jetzt einmal sein muss, nach so langer Zeit. Die Einsamkeit hat sich in mir breit gemacht, sie blitzt immer wieder auf, wenn du gehst, wenn du da bist, wenn wir eins sind, wenn du mich verlässt. Ich bin jetzt allein. Ich habe diesen verlassen, habe jenen verlassen und nun weitet sich vor mir dieses riesige Loch der Einsamkeit aus, dabei war es schon immer da, ich habe nur mit verschlossenen Augen am Abgrund gestanden. Jetzt muss ich reinspringen. Oder bin schon längst darin. Schwebe in dieser schwarz-violetten Höhle, die so groß ist wie ein Universum, deren Grenzen ich nicht ermessen kann, in der ich verloren und ganz und gar auf mich allein gestellt bin.

Danke, dass du mich dazu bewogen hast, mich auf diesen Raum einzulassen. Du zeigst es mir ganz deutlich und unverblümt. Indem du meine Einsamkeit kurz überdeckelst und mich dann doch wieder mit ihr allein lässt. Mit all deiner Härte zeigst du mir, dass ich da jetzt durch muss, denn du wirst mir nicht helfen. Doch du bist nicht böse, nein, du hilfst mir. Du zwingst mich, den Weg der Einsamkeit zu beschreiten, der doch nur ein Weg des Einzelnen sein kann. Ich kann nicht anders, als ihn allein zu gehen, ich muss, und irgendwie will ich jetzt auch. Denn ich weiß, dass ich keine Wahl habe. Früher oder später musste ich das Reich der Einsamkeit für mich entdecken; ein Ort, dem ich nicht entfliehen kann, der immer und überall da ist, der wie eine Blase um mich schwebt, mein ständiger Begleiter. Der sich mir aufdrängt und mir immer wieder seine häßliche Fratze zeigt. Fluchtversuch sinnlos.

So gern ich mich verliebe, so gern ich es dazu benutze, alles andere um mich herum zu vergessen und nur in diesem Gefühl zu sein, weiß ich doch, dass ich den Raum der Einsamkeit dadurch nicht verlassen, sondern höchstens kurz vergessen, mich in ihm betäuben kann. Verliebtheit ist Egoismus und dafür werde  ich dich nicht mißbrauchen. Danke, dass du mir das gezeigt hast. Dass du das nicht mit dir machen lässt. Du hast mich von meiner Verliebtheitswolke runtergeholt, zurück auf den Weg der Einsamkeit, den ich gerade zu beschreiten imstande war. Jetzt könnte ich weinen über den Verlust unserer reinen, unberührten Liebe, über den Bruch ihres naiven Voranschreitens, über das Verschwinden der Leichtigkeit, mit der wir uns begegneten. Ja, all das hätte so schön sein können, und wäre doch nur eine weitere Runde in meiner Flucht vor dem Weg der Einsamkeit gewesen. Diesen Weg müssen wir alle gehen. Vielleicht bist du ihn noch nicht gegangen, vielleicht auch doch, und jetzt kann ich von dir lernen. Und meinen Frieden mit ihm schließen.