xeniawenzel

A fine WordPress.com site

Kategorie: Uncategorized

Die Stadt I – III

Die Stadt I

Die Stadt ist wunderschön, sie ist häßlich, sie ist golden und beige, sie ist grau, sie ist provinziell, sie engt mich ein, sie verflüchtigt sich, sie verschlingt mich, sie rennt vor mir weg, sie gibt mir Halt, sie bettet mich ein, mit ihren Hügeln, und ihrem Tal, sie zerreißt mich, mit ihren nicht enden wollenden Straßen, Wolkenkratzern, ihrem Übergang ins weite Meer, sie überfordert mich, sie langweilt mich, sie saugt mich ein, sie spuckt mich aus, sie nimmt mich auf, sie stößt mich ab, sie lässt mich verzweifeln, schreien!; ich gleite mit ihr, ihrem sanften Strom, hingerissen, zuweilen, verliere ich mich in ihr, suche einen Halt, einen Grund, doch egal wie weit, wie tief hinein ich in sie geh‘: Dort ist kein Halt, kein Grund, dort finde ich keine Ruh‘.

 

Die Stadt II

Die Stadt war nur eine Kulisse für mich
Sie gehörte mir nicht
Ihre Häuser, Straßen, Menschen, Gassen
All das brauchte ich nicht
All das war nur der Schauplatz
Meines Lebens
Das überall dasselbe war

 

Die Stadt III

Nichts hatte sich verändert in Wien. Der Himmel hing wie unverändert in einer dicken grauen Wolkendecke über der Stadt. Es nieselte, regnete fast. Die Bettler verweilten unverändert an ihren angestammten Plätzen, in altbekannten Posen. Der Kaffee war derselbe. Die Menschen an der Universität waren dieselben. Die unheimliche Stille in der U-Bahn, sie wich keinen Stimmen, keinem Leben. Das Leben spielte sich irgendwo in dieser Stadt ab, der ich außenvor, so doch Teil war. Ich war unbändig auf der Suche nach diesem Leben, doch ich scheiterte daran, zu diesem vorzudringen. Wie sollte ich noch weiter hinein in diese Stadt, wenn ich bereits mittendrin war? Ich war mittendrin, und weg von allem. Umgeben vom Nichts, das sich wie eine Wolke um mich hüllte, mich von allen und allem auf Abstand hielt.

Ozean

Ich bin ein Ozean
dessen Tiefe
du nie ergründen wirst
den zu durchqueren
du nicht ersuchen willst
Auf dessen Wellen
du reitest
ganz sanft und stürmisch gleitest
doch nie zu lang verweiltest
So lang
bis dich die Strömung tief
auf den Grund seines Begehrens zieht

Ich bin ein Vulkan
den du nie
erklimmen wirst
dessen Puls
dich immer wieder zu Boden stößt
dessen Rauch und Asche
dich benebeln
dir die Luft zum Atmen nehmen
alle Kampfeslust da in dir lähmen
Dessen brodelnde Lava
durch deine Augen fließt
dich unablässig
an sich zieht

Ich bin ein Wirbelsturm
dessen Sog
du dich nicht entziehen kannst
dem zu entgleiten
du nie imstande warst
Der dich immer wieder
in die Höhe treibt
ehe er sich dir einverleibt
und dich dann schlagartig herunterreißt
Und so oft, doch
ganz nah, nur
an dir vorüberstreift

Das Herz, ein Friedhof

Das Herz ist ein Friedhof
wie Heiner Müller sagt
So viele der toten Lieben
liegen dort begraben
Und auch, wenn ihr schweigt
Ihr seid stets präsent
Denn ihr Toten werdet nie Ruhe geben
Zwar ruhet ihr in Frieden
doch lasst mich nie in Frieden
In meinem Herzen trage ich euch überall hin
Überall dort, wohin ich geh‘
Dabei tut es so weh
Diese kleinen Risse und Narben
Bei jedem Schlag zu gewahren
Ich weiß nicht wie viel Platz
Mein Friedhof noch fasst
So viele der kleinen und großen Gräber
Liegen auf ihm verteilt
Sodass mich fast der Wunsch ereilt
Eine Mauer zu bauen
um ihn herum
Die es beschützt, mein Herz
Vor weiteren Löchern und Rissen
Auf die wir unsere Fahnen hissen
Doch wie soll mein Herz noch schlagen
Wenn es ganz fest und eng umspannt
Ja, eingesperrt ist
Wie mich am Leben halten
Ohne sich zu bewegen
Ohne sich einen Funken zu regen
Indes, mein Herz, es will weiter wachsen
Immer mehr streben
sich nie einschränken lassen
Gedeihen
und sich befreien
Von den Mauern, die es umgeben
Mein Herz
kann so frei und leicht sein
wie ich nur will

Bericht von den letzten Tagen der Menschheit

Es ist heiß. Ich mag nicht rausgehen, die Sonne meine Haut verbrennen lassen. Und sie tut es, unaufhörlich. Die Gardinen fest zugezogen, dass kein Sonnenstrahl ins Drinnen dringe, sitze ich in meinem dunklen Zimmer, gleichwohl glühe ich innerlich.
Die Hitze erregt Schwindel in mir, sie fesselt mich ans Heim. Wir alle verdursten. Die Pflanzen, die Tiere, wir. Draußen sehe ich die Welt vor mir sterben, drinnen sterbe ich.
Ich lese Dystopien vom Weltuntergang, die längst keine mehr sind. Starre wie angekettet auf mein iPhone, konsumiere immer mehr: Nachrichten, Bilder, Menschen. Und fühle mich immer leerer, immer hohler. Was habe ich mit dieser Welt da draußen noch zu tun?

Die meisten machen weiter wie bisher als sei nichts, haben sich dem Konsum, der Ignoranz, der Resignation verschrieben. Verschließen ihre Augen, ignorieren die Hitze, die Dürren, die Fluten, die Wirbelstürme und hoffen, dass es besser wird, dass all das nicht wahr ist, doch es ist zu spät. Ziehen sich immer mehr zurück ins Private, kreisen um ihre eigenen Probleme, doch keine Sorge, die lösen sich bald ganz von selbst.
Die meisten Menschen ahnen, doch wissen noch nichts vom Untergang, weil es ihnen entweder noch zu gut, oder schon zu schlecht geht, weil sie sich ob ihres Luxus‘ in Sicherheit wähnen, oder der Kampf ums Überleben ihre letzten Ressourcen verbraucht. Alle dazwischen versinken im Strudel der Hilflosigkeit.

Je näher das Ende rückt, umso machtloser, umso nutzloser fühle ich mich. Es ergibt keinen Sinn, eine untergehende Welt umzugestalten, wenn es sich schon falsch anfühlt, sie mit der eigenen Existenz, dem eigenen Ressourcenverbrauch zu belasten. Verwundert betrachte ich die Menschen, die noch Kinder in diese flammende Welt setzen.
Was die Werdung dieser Welt angeht, so habe ich mich in meiner Depressivität eingerichtet, sie gehört wie selbstverständlich zu meinem, zu dem Dasein in dieser Welt dazu. Mein letzter Aufschrei nach Hoffnung ist der Ruf nach meiner Mutter, meine Verbindung zur Natur und zur Erde, von der ich stamme, doch Mutter Erde ist nicht mehr.

Zum Vollmond

Es gibt nichts Schöneres
als den Mond
Den vollen, satten, leuchtenden
Mond
Wie er voller Weisheit auf uns scheint
Uns Klarheit und Gewißheit gibt
Gleichwohl so geheimnisvoll fern
am Himmel klebt

Weigerung

Ich weigere mich zu glauben,
dass ich nichts sein soll
in dieser Welt
in der alles untergeht
in der die Flut sich überschlägt
Wässer und Wüsten dörren
und der nächste Wirbelsturm
uns in höchste Höhen trägt

Ich weigere mich zu glauben,
dass wir nichts sein sollen
in dieser Welt
nicht mehr als zwei Seelen
die sich mit all ihrer Kraft und all ihrem Schmerz
begegnen
nicht mehr als zwei Körper
die gelernt haben
sich zu bewegen
deren Hände, Blicke, Lippen
sich begegnen
und trotzdem nichts
im anderen bewegen

Ich weigere mich zu glauben,
dass wir nicht eins sind
in dieser Welt
in der alles
auseinanderfällt
die Natur uns entgleitet
Hass voranschreitet
und uns nichts mehr aneinanderhält

Woran soll ich glauben
in dieser Welt
wenn nicht die Weise
mit der unsere sehnsüchtigen Blicke
sich spüren und berühren
obschon sie wissen
dass sie einander nicht werden retten können
in einer Welt
die nichts mehr bereit für uns hält

Ohne Titel

Die Liebe
Ist mir verloren gegangen
Sie gehört mir nicht mehr

Einst habe ich sie gut gekannt
Kann mich ihrer noch entsinnen
Weiß, wie sie sich anfühlt
Doch fühle ich sie nicht mehr

Jeden Tag mache ich mir Gedanken um die Liebe

Wenn ich die Liebe nicht habe,
bin ich voller Sehnsucht nach ihr
Wenn ich die Liebe habe,
zerfrisst die Angst alles in mir
Wenn sich die Liebe mir aufzwängt,
flüchte ich vor ihr

Nie scheint sie richtig
Nie sind wir eins

Vielleicht war sie nie mein
Nur unser
Und mit dir geht
Ein Stück Liebe in mir

Die traurige Gewissheit,
dass ich dich nie wieder so lieben,
dass ich dich überhaupt nie mehr
lieben werde

Das Gefühl der Jugend

Das Gefühl der Jugend
Sehnsucht nach Unendlichkeit
Gewissheit
Einer immer verfügbaren
Immer wiederholbaren Unendlichkeit
Ungewissheit
Vor jeder einzelnen Erstmaligkeit
Keine Angst
Vor Ergriffenheit
Wegen der Gewissheit
Ihrer ständigen Wiederholbarkeit
Betäubung
Im Rausch der Unendlichkeit
Unbedachtheit
Als Voraussetzung von Erfahrbarkeit
Im Unterbewusstsein
Trauer über
Die immer näherrückende Endlichkeit

Räuber

Ihr nahmt mir meine Seele
Doch zuerst mein Fleisch
Ihr fletschtet euch die Zähne
Ich ließ euch in mein Reich

Wir haben uns geliebt
Für diese eine Nacht
Uns alles voneinander gegeben
Es hat uns auseinandergebracht

Am Ende bleibe ich zurück
Mit dieser trügerischen Version vom Glück
Gehüllt in einen Kokon aus Liebe
Darunter, doch, schwelen meine Kriege

Hier liegt er, mein Kadaver
Zerfleischt, zernagt, zerbissen
Keine Regung, kein Gewissen
Habt ihr euch satt gefressen?

Tristezza italiana

Italien, warum machst du mich so traurig?
Deine Schönheit zerdrückt mich,
ich spüre keine Sehnsucht
in deiner Perfektion.

Warum gibst du mir keine Liebe, wenn du doch danach aussiehst,
wenn die Liebenden auf all deinen Plätzen, in all deinen Ecken sind?
Hier bin ich, allein,
so liebeslos, wie ich nur sein kann.

Wohin soll die Liebe auch wachsen, in solch beklemmender Hitze?
Ich kann mich kaum regen
in deiner Glut.
Sonnenmilch, Parfüm, Schweiß, Insektenspray, Deodorant verkleben meine Haut.
Mückenstiche, Schrammen, Kratzer, Wunden zieren meine Haut.

Ich spüre den Hunger, doch bleibe ohne Appetit,
in deiner Hitze, mit meinem Liebeskummer.

In deiner Kulisse kann ich nichts spüren,
wandle allein durch deine Gassen.
Ich höre deine Stille, wie sie in der Hitze steht,
Grillen zirpen,
Brunnen sprudeln,
Motorräder rollen,
die Leichtigkeit der Liebenden.

Deine Figuren werden nie zu tanzen beginnen,
sie sind so starr
wie deine Hitze
und deine Schönheit.