Die Stadt I – III

Die Stadt I

Die Stadt ist wunderschön, sie ist häßlich, sie ist golden und beige, sie ist grau, sie ist provinziell, sie engt mich ein, sie verflüchtigt sich, sie verschlingt mich, sie rennt vor mir weg, sie gibt mir Halt, sie bettet mich ein, mit ihren Hügeln, und ihrem Tal, sie zerreißt mich, mit ihren nicht enden wollenden Straßen, Wolkenkratzern, ihrem Übergang ins weite Meer, sie überfordert mich, sie langweilt mich, sie saugt mich ein, sie spuckt mich aus, sie nimmt mich auf, sie stößt mich ab, sie lässt mich verzweifeln, schreien!; ich gleite mit ihr, ihrem sanften Strom, hingerissen, zuweilen, verliere ich mich in ihr, suche einen Halt, einen Grund, doch egal wie weit, wie tief hinein ich in sie geh‘: Dort ist kein Halt, kein Grund, dort finde ich keine Ruh‘.

 

Die Stadt II

Die Stadt war nur eine Kulisse für mich
Sie gehörte mir nicht
Ihre Häuser, Straßen, Menschen, Gassen
All das brauchte ich nicht
All das war nur der Schauplatz
Meines Lebens
Das überall dasselbe war

 

Die Stadt III

Nichts hatte sich verändert in Wien. Der Himmel hing wie unverändert in einer dicken grauen Wolkendecke über der Stadt. Es nieselte, regnete fast. Die Bettler verweilten unverändert an ihren angestammten Plätzen, in altbekannten Posen. Der Kaffee war derselbe. Die Menschen an der Universität waren dieselben. Die unheimliche Stille in der U-Bahn, sie wich keinen Stimmen, keinem Leben. Das Leben spielte sich irgendwo in dieser Stadt ab, der ich außenvor, so doch Teil war. Ich war unbändig auf der Suche nach diesem Leben, doch ich scheiterte daran, zu diesem vorzudringen. Wie sollte ich noch weiter hinein in diese Stadt, wenn ich bereits mittendrin war? Ich war mittendrin, und weg von allem. Umgeben vom Nichts, das sich wie eine Wolke um mich hüllte, mich von allen und allem auf Abstand hielt.