Bericht von den letzten Tagen der Menschheit

von xeniawenzel

Es ist heiß. Ich mag nicht rausgehen, die Sonne meine Haut verbrennen lassen. Und sie tut es, unaufhörlich. Die Gardinen fest zugezogen, dass kein Sonnenstrahl ins Drinnen dringe, sitze ich in meinem dunklen Zimmer, gleichwohl glühe ich innerlich.
Die Hitze erregt Schwindel in mir, sie fesselt mich ans Heim. Wir alle verdursten. Die Pflanzen, die Tiere, wir. Draußen sehe ich die Welt vor mir sterben, drinnen sterbe ich.
Ich lese Dystopien vom Weltuntergang, die längst keine mehr sind. Starre wie angekettet auf mein iPhone, konsumiere immer mehr: Nachrichten, Bilder, Menschen. Und fühle mich immer leerer, immer hohler. Was habe ich mit dieser Welt da draußen noch zu tun?

Die meisten machen weiter wie bisher als sei nichts, haben sich dem Konsum, der Ignoranz, der Resignation verschrieben. Verschließen ihre Augen, ignorieren die Hitze, die Dürren, die Fluten, die Wirbelstürme und hoffen, dass es besser wird, dass all das nicht wahr ist, doch es ist zu spät. Ziehen sich immer mehr zurück ins Private, kreisen um ihre eigenen Probleme, doch keine Sorge, die lösen sich bald ganz von selbst.
Die meisten Menschen ahnen, doch wissen noch nichts vom Untergang, weil es ihnen entweder noch zu gut, oder schon zu schlecht geht, weil sie sich ob ihres Luxus‘ in Sicherheit wähnen, oder der Kampf ums Überleben ihre letzten Ressourcen verbraucht. Alle dazwischen versinken im Strudel der Hilflosigkeit.

Je näher das Ende rückt, umso machtloser, umso nutzloser fühle ich mich. Es ergibt keinen Sinn, eine untergehende Welt umzugestalten, wenn es sich schon falsch anfühlt, sie mit der eigenen Existenz, dem eigenen Ressourcenverbrauch zu belasten. Verwundert betrachte ich die Menschen, die noch Kinder in diese flammende Welt setzen.
Was die Werdung dieser Welt angeht, so habe ich mich in meiner Depressivität eingerichtet, sie gehört wie selbstverständlich zu meinem, zu dem Dasein in dieser Welt dazu. Mein letzter Aufschrei nach Hoffnung ist der Ruf nach meiner Mutter, meine Verbindung zur Natur und zur Erde, von der ich stamme, doch Mutter Erde ist nicht mehr.

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