xeniawenzel

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Monat: Januar, 2017

Der Weg der Einsamkeit

Danke, dass du mir zeigst, dass ich nicht allein sein muss, auch wenn ich es jetzt einmal sein muss, nach so langer Zeit. Die Einsamkeit hat sich in mir breit gemacht, sie blitzt immer wieder auf, wenn du gehst, wenn du da bist, wenn wir eins sind, wenn du mich verlässt. Ich bin jetzt allein. Ich habe diesen verlassen, habe jenen verlassen und nun weitet sich vor mir dieses riesige Loch der Einsamkeit aus, dabei war es schon immer da, ich habe nur mit verschlossenen Augen am Abgrund gestanden. Jetzt muss ich reinspringen. Oder bin schon längst darin. Schwebe in dieser schwarz-violetten Höhle, die so groß ist wie ein Universum, deren Grenzen ich nicht ermessen kann, in der ich verloren und ganz und gar auf mich allein gestellt bin.

Danke, dass du mich dazu bewogen hast, mich auf diesen Raum einzulassen. Du zeigst es mir ganz deutlich und unverblümt. Indem du meine Einsamkeit kurz überdeckelst und mich dann doch wieder mit ihr allein lässt. Mit all deiner Härte zeigst du mir, dass ich da jetzt durch muss, denn du wirst mir nicht helfen. Doch du bist nicht böse, nein, du hilfst mir. Du zwingst mich, den Weg der Einsamkeit zu beschreiten, der doch nur ein Weg des Einzelnen sein kann. Ich kann nicht anders, als ihn allein zu gehen, ich muss, und irgendwie will ich jetzt auch. Denn ich weiß, dass ich keine Wahl habe. Früher oder später musste ich das Reich der Einsamkeit für mich entdecken; ein Ort, dem ich nicht entfliehen kann, der immer und überall da ist, der wie eine Blase um mich schwebt, mein ständiger Begleiter. Der sich mir aufdrängt und mir immer wieder seine häßliche Fratze zeigt. Fluchtversuch sinnlos.

So gern ich mich verliebe, so gern ich es dazu benutze, alles andere um mich herum zu vergessen und nur in diesem Gefühl zu sein, weiß ich doch, dass ich den Raum der Einsamkeit dadurch nicht verlassen, sondern höchstens kurz vergessen, mich in ihm betäuben kann. Verliebtheit ist Egoismus und dafür werde  ich dich nicht mißbrauchen. Danke, dass du mir das gezeigt hast. Dass du das nicht mit dir machen lässt. Du hast mich von meiner Verliebtheitswolke runtergeholt, zurück auf den Weg der Einsamkeit, den ich gerade zu beschreiten imstande war. Jetzt könnte ich weinen über den Verlust unserer reinen, unberührten Liebe, über den Bruch ihres naiven Voranschreitens, über das Verschwinden der Leichtigkeit, mit der wir uns begegneten. Ja, all das hätte so schön sein können, und wäre doch nur eine weitere Runde in meiner Flucht vor dem Weg der Einsamkeit gewesen. Diesen Weg müssen wir alle gehen. Vielleicht bist du ihn noch nicht gegangen, vielleicht auch doch, und jetzt kann ich von dir lernen. Und meinen Frieden mit ihm schließen.

Die Bedeutung der Worte

Meine Sprache langweilt mich.
Immer dieselben Worte, die ich benutze,
die immer das Gleiche sagen,
so sie es doch nicht sollen.

Sonst weiß ich immer, was zu sagen.

In deiner Gegenwart, doch, fehlen mir die Worte.
Du machst mich ganz stumm und verlegen.

In deiner Gegenwart kommen die Worte zu neuer Bedeutung.
Sie wiegen so schwer, dass ich es kaum wage, sie auszusprechen.

Worte, die ich schon hunderte Male ausgesprochen habe,
scheinen, wenn wir sie uns sagen, im neuen Lichte.
Sie erreichen ihre ursprüngliche Bedeutung,
die schon längst zu vergessen werden drohte.

Jedes deiner Worte sauge ich in mir auf
und gebe ihnen die Bedeutung zurück, die sie in sich tragen.

Du zeigst mir die Bedeutung der Worte
und plötzlich erscheint mir die Sprache
wieder so reich und unendlich.