Schmetterling

von xeniawenzel

In Berlin gibt es keine Liebe. Du hast sie gesucht, vergeblich, du fandest sie nie. In jeder Ecke hast du gesucht, in jedem Club, jeder Bar, jedem Seminar. Nichts. Sie blieb fern. Immer deutlicher zeigte sich dir die Liebe als Illusion, als ein Gefühl, was einfach nicht aufkommen mochte, welches Mädchen auch immer deinen Weg kreuzte. Manchmal warst du kurz davor, die Liebe zu packen, sie schwirrte um dich herum, wie ein aufgeregter Schmetterling, wunderschön, aber nicht einzufangen. Du schnapptest zu, sie entwich dir, immer wieder und mit jedem Mal entschwand sie nur noch schneller als zuvor. Irgendwann resigniertest du, sie einzufangen, sie zu suchen. Sie interessierte dich nicht mehr, konnte dich nicht mehr interessieren. Du hattest so viel in sie investiert, vergeblich.

Mit einem Mal begann sie, aus ihren Löchern hervorzukriechen, erst langsam, dann immer deutlicher. Sie machte sich bemerkbar, an den unvorstellbarsten Orten spürtest du plötzlich ihre Anwesenheit. Mal hier, mal dort, mal stärker, mal schwächer. Bald war sie es, die dich verfolgte. Sie war überall, in jedem Mädchen. Doch du wolltest nicht. Mehr noch als Desinteresse schwankte deine Einstellung zu ihr zwischen Gleichgültigkeit und Angst, wenn sie dir zu nahe kam. Du hattest dir die Liebe schlichtweg abgewöhnt und nun, da sie vor dir stand, in den verschiedensten Facetten, lehntest du sie ab. Du hattest das Gefühl, jahrelang einer Illusion hinterhergerannt zu sein und wie sie da plötzlich vor die stand, war sie dir fremd geworden. Ihre bloße Anwesenheit löste nichts mehr in dir aus: keine Hoffnungen, keine Träume, und erst recht keine Gefühle. Die Liebe tat alles, um dich wachzurütteln, sie wollte unbedingt wieder Teil deines Lebens werden. Doch du stießest sie ab, und mit ihr, viele verstörte Seelen, die verzweifelt schrien, du seist ihnen eine Erklärung schuldig. Dir war nicht klar, wovon sie sprachen, du hattest doch so viel getan, für die Liebe, jahrelang. Die Seelen widerten dich an, sie sollten dich in Ruhe lassen. Sie gaben nicht auf, eine nach der anderen wollte dich für sich gewinnen, dich aus deiner Apathie befreien, vergeblich. Die Liebe fing an, dich zu nerven. Du stießest sie energisch von dir weg, doch mit jedem Mal, dass du sie fortschicktest, kam sie nur umso gewaltiger zurück. Bald sahst du ein, dass es keinen Sinn machte, sich gegen sie zu wehren. Und so verfielst du zurück in den Status der Gleichgültigkeit. Dann kam ich.

 

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