xeniawenzel

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Weigerung

Ich weigere mich zu glauben,
dass ich nichts sein soll
in dieser Welt
in der alles untergeht
in der die Flut sich überschlägt
Wässer und Wüsten dörren
und der nächste Wirbelsturm
uns in höchste Höhen trägt

Ich weigere mich zu glauben,
dass wir nichts sein sollen
in dieser Welt
nicht mehr als zwei Seelen
die sich mit all ihrer Kraft und all ihrem Schmerz
begegnen
nicht mehr als zwei Körper
die gelernt haben
sich zu bewegen
deren Hände, Blicke, Lippen
sich begegnen
und trotzdem nichts
im anderen bewegen

Ich weigere mich zu glauben,
dass wir nicht eins sind
in dieser Welt
in der alles
auseinanderfällt
die Natur uns entgleitet
Hass voranschreitet
und uns nichts mehr aneinanderhält

Woran soll ich glauben
in dieser Welt
wenn nicht die Weise
mit der unsere sehnsüchtigen Blicke
sich spüren und berühren
obschon sie wissen
dass sie einander nicht werden retten können
in einer Welt
die nichts mehr bereit für uns hält

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Ohne Titel

Die Liebe
Ist mir verloren gegangen
Sie gehört mir nicht mehr

Einst habe ich sie gut gekannt
Kann mich ihrer noch entsinnen
Weiß, wie sie sich anfühlt
Doch fühle ich sie nicht mehr

Jeden Tag mache ich mir Gedanken um die Liebe

Wenn ich die Liebe nicht habe,
bin ich voller Sehnsucht nach ihr
Wenn ich die Liebe habe,
zerfrisst die Angst alles in mir
Wenn sich die Liebe mir aufzwängt,
flüchte ich vor ihr

Nie scheint sie richtig
Nie sind wir eins

Vielleicht war sie nie mein
Nur unser
Und mit dir geht
Ein Stück Liebe in mir

Die traurige Gewissheit,
dass ich dich nie wieder so lieben,
dass ich dich überhaupt nie mehr
lieben werde

Das Gefühl der Jugend

Das Gefühl der Jugend
Sehnsucht nach Unendlichkeit
Gewissheit
Einer immer verfügbaren
Immer wiederholbaren Unendlichkeit
Ungewissheit
Vor jeder einzelnen Erstmaligkeit
Keine Angst
Vor Ergriffenheit
Wegen der Gewissheit
Ihrer ständigen Wiederholbarkeit
Betäubung
Im Rausch der Unendlichkeit
Unbedachtheit
Als Voraussetzung von Erfahrbarkeit
Im Unterbewusstsein
Trauer über
Die immer näherrückende Endlichkeit

Räuber

Ihr nahmt mir meine Seele
Doch zuerst mein Fleisch
Ihr fletschtet euch die Zähne
Ich ließ euch in mein Reich

Wir haben uns geliebt
Für diese eine Nacht
Uns alles voneinander gegeben
Es hat uns auseinandergebracht

Am Ende bleibe ich zurück
Mit dieser trügerischen Version vom Glück
Gehüllt in einen Kokon aus Liebe
Darunter, doch, schwelen meine Kriege

Hier liegt er, mein Kadaver
Zerfleischt, zernagt, zerbissen
Keine Regung, kein Gewissen
Habt ihr euch satt gefressen?

Tristezza italiana

Italien, warum machst du mich so traurig?
Deine Schönheit zerdrückt mich,
ich spüre keine Sehnsucht
in deiner Perfektion.

Warum gibst du mir keine Liebe, wenn du doch danach aussiehst,
wenn die Liebenden auf all deinen Plätzen, in all deinen Ecken sind?
Hier bin ich, allein,
so liebeslos, wie ich nur sein kann.

Wohin soll die Liebe auch wachsen, in solch beklemmender Hitze?
Ich kann mich kaum regen
in deiner Glut.
Sonnenmilch, Parfüm, Schweiß, Insektenspray, Deodorant verkleben meine Haut.
Mückenstiche, Schrammen, Kratzer, Wunden zieren meine Haut.

Ich spüre den Hunger, doch bleibe ohne Appetit,
in deiner Hitze, mit meinem Liebeskummer.

In deiner Kulisse kann ich nichts spüren,
wandle allein durch deine Gassen.
Ich höre deine Stille, wie sie in der Hitze steht,
Grillen zirpen,
Brunnen sprudeln,
Motorräder rollen,
die Leichtigkeit der Liebenden.

Deine Figuren werden nie zu tanzen beginnen,
sie sind so starr
wie deine Hitze
und deine Schönheit.

BLN02_17

Berlin.
Winter.
Ringbahn.
Motz.
Grau.
Wetternde Arbeiterinnen.
„Dit is doch allet nich zu schaffen. Ick mach doch eh‘ schon immer länger.“
„Wenn se uns doch wenigstens mal den Nachtzuschlag zahl’n würd’n.“

Das Rauschen der S-Bahn. Das ewige Rauschen.
Musik.
Musik aus dem Akkordeon der Musiker.
Musik in den Gedanken an jugendliche Nächte in Berliner Clubs.
Schreie.
Schreie der Babys, der wimmernden Obdachlosen, der waghalsigen Jugend.
Stille.
Erdrückende Stille, peinliche Stille.
Blicke in die vertraute Ferne und das nahe Fremde.
Frost.
Rauch.
Heiß-kalt.
Schweiß.
Gedanken an schwitzende Nächte vor der Volksbühne.
An die Ruhe vor dem Sturm.

Milchige Fensterscheiben.
Dahinter Menschen, Häuser, Bäume, Straßen.
Im Strudel.
Ich kann es nicht mehr halten.
Alles verschwimmt zu einem Meer.
Ein Meer, durch das ich in meiner Kapsel fahre.
An mir vorbei zieht die Stadt, die nicht mehr meine ist.
Berlin, du drehst dich weiter, ohne mich.

Bitte lass mich dich lieben

Bitte lass mich dich lieben

Lass mich dich anschauen
Dein reines, zartes Gesicht
Deine kindlichen Augen
Wie sie sehnsüchtig in meine blicken

Bitte lass mich dich sehen, wie du weinst
Kein schön‘res Gesicht könnt‘ es geben
Auf dem Tränen sich ergießen
Aus Liebe
Aus Angst
Aus Schmerz

Bitte lass mich dich sehen, wie du lachst
Wie du aus dir gehst
Dabei
Das Flirren deiner Augen uns verbindet

Wie schön muss dein Lachen sein
Wenn schon dein Lächeln so tief ist

Lass mich dich spüren
Deine Güte und Wärme
Wenn du mich zu dir lässt
Schutzlos und rein

In jeder Hinsicht
Will ich dich lieben

Wozu all dieser Schmerz?
Warum schon jetzt
Warum schon wieder?

Bitte
Lass mich dich riechen
Lass mich dich schmecken
Lass mich dich hören, fühlen, küssen
Vergessen

Doch du lässt nicht

Der Weg der Einsamkeit

Danke, dass du mir zeigst, dass ich nicht allein sein muss, auch wenn ich es jetzt einmal sein muss, nach so langer Zeit. Die Einsamkeit hat sich in mir breit gemacht, sie blitzt immer wieder auf, wenn du gehst, wenn du da bist, wenn wir eins sind, wenn du mich verlässt. Ich bin jetzt allein. Ich habe diesen verlassen, habe jenen verlassen und nun weitet sich vor mir dieses riesige Loch der Einsamkeit aus, dabei war es schon immer da, ich habe nur mit verschlossenen Augen am Abgrund gestanden. Jetzt muss ich reinspringen. Oder bin schon längst darin. Schwebe in dieser schwarz-violetten Höhle, die so groß ist wie ein Universum, deren Grenzen ich nicht ermessen kann, in der ich verloren und ganz und gar auf mich allein gestellt bin.

Danke, dass du mich dazu bewogen hast, mich auf diesen Raum einzulassen. Du zeigst es mir ganz deutlich und unverblümt. Indem du meine Einsamkeit kurz überdeckelst und mich dann doch wieder mit ihr allein lässt. Mit all deiner Härte zeigst du mir, dass ich da jetzt durch muss, denn du wirst mir nicht helfen. Doch du bist nicht böse, nein, du hilfst mir. Du zwingst mich, den Weg der Einsamkeit zu beschreiten, der doch nur ein Weg des Einzelnen sein kann. Ich kann nicht anders, als ihn allein zu gehen, ich muss, und irgendwie will ich jetzt auch. Denn ich weiß, dass ich keine Wahl habe. Früher oder später musste ich das Reich der Einsamkeit für mich entdecken; ein Ort, dem ich nicht entfliehen kann, der immer und überall da ist, der wie eine Blase um mich schwebt, mein ständiger Begleiter. Der sich mir aufdrängt und mir immer wieder seine häßliche Fratze zeigt. Fluchtversuch sinnlos.

So gern ich mich verliebe, so gern ich es dazu benutze, alles andere um mich herum zu vergessen und nur in diesem Gefühl zu sein, weiß ich doch, dass ich den Raum der Einsamkeit dadurch nicht verlassen, sondern höchstens kurz vergessen, mich in ihm betäuben kann. Verliebtheit ist Egoismus und dafür werde  ich dich nicht mißbrauchen. Danke, dass du mir das gezeigt hast. Dass du das nicht mit dir machen lässt. Du hast mich von meiner Verliebtheitswolke runtergeholt, zurück auf den Weg der Einsamkeit, den ich gerade zu beschreiten imstande war. Jetzt könnte ich weinen über den Verlust unserer reinen, unberührten Liebe, über den Bruch ihres naiven Voranschreitens, über das Verschwinden der Leichtigkeit, mit der wir uns begegneten. Ja, all das hätte so schön sein können, und wäre doch nur eine weitere Runde in meiner Flucht vor dem Weg der Einsamkeit gewesen. Diesen Weg müssen wir alle gehen. Vielleicht bist du ihn noch nicht gegangen, vielleicht auch doch, und jetzt kann ich von dir lernen. Und meinen Frieden mit ihm schließen.

Die Bedeutung der Worte

Meine Sprache langweilt mich.
Immer dieselben Worte, die ich benutze,
die immer das Gleiche sagen,
so sie es doch nicht sollen.

Sonst weiß ich immer, was zu sagen.

In deiner Gegenwart, doch, fehlen mir die Worte.
Du machst mich ganz stumm und verlegen.

In deiner Gegenwart kommen die Worte zu neuer Bedeutung.
Sie wiegen so schwer, dass ich es kaum wage, sie auszusprechen.

Worte, die ich schon hunderte Male ausgesprochen habe,
scheinen, wenn wir sie uns sagen, im neuen Lichte.
Sie erreichen ihre ursprüngliche Bedeutung,
die schon längst zu vergessen werden drohte.

Jedes deiner Worte sauge ich in mir auf
und gebe ihnen die Bedeutung zurück, die sie in sich tragen.

Du zeigst mir die Bedeutung der Worte
und plötzlich erscheint mir die Sprache
wieder so reich und unendlich.

 

„Etwas beginnt, um zu enden: das Abenteuer läßt sich nicht verlängern; nur durch seinen Tod hat es einen Sinn. Auf diesen Tod, der vielleicht auch mein eigener sein wird, werde ich unwiederruflich hingetrieben. Jeder Augenblick kommt nur, um die folgenden nach sich zu ziehen. An jedem Augenblick hänge ich mit ganzem Herzen: ich weiß, daß er einmalig ist; unersetzlich ist – und trotzdem würde ich keine einzige Geste machen, um zu verhindern, daß er vergeht.“ (Sartre, Der Ekel)